Den Text von der Tafel die am Wegesrand von der Bürgle Kapelle Richtung Lemberg zu sehen war, hab ich hier mal aufgeschrieben:
Das verwunschene Fräulein
Im Hochberg, unweit von Gosheim und Wehingen, ist eine Höhle: sie geht weit hinein, und noch keiner ist bis an ihr Ende gekommen. Da drinnen sitzt seit Jahrhunderten ein edles Fraulein, verwünscht von seiner Mutter. Einmal kämmte die Mutter dem Kind das schöne Lockenhaar, doch es hielt nicht stille, sondern spielte mit seinem Hündchen. “Säßest du doch im Hochberg mit deinem Hündchen” zürnte die Mutter, und in Erfüllung ging ihr böser Wunsch. Tief im Innern der Höhle und auf einer Kiste voller Gold schmachtet seither das schöne Kind, eingesperrt durch ein Eisengitter. Seit Jahrhunderten nun wartet es auf seine Erlösung. Errettet werden aber kann das Edelfräulein nur in der Zeit des Advents; und nur durch einen ganz und gar unerschrockenen Menschen. An einem ersten Advent, achtzig Jahre oder mehr ist’s her, da machten sich der Löwenwirt von Deilingen und ein Kapuziner auf den Weg zur Höhle. Das Gold war’s, das sie trieb, das Kindchen zu befreien. Sie kamen an das Gitter, und es wies die beiden an, was zu tun ist, um es zu erlösen. Wiederkommen mussten sie an den nächsten drei Sonntagen im Advent, all’ diese ganzen Tage schweigend. Und ehrerbietig küssen müssen sie, was immer ihnen auch begegnet. Sie kamen wieder, schweigend wie befohlen. Doch welch Entsetzen, als sie sahen, was zu küssen war – feurige Schlangen, Drachen und abscheuliches Gewürm. Sie vollbrachten’s. kamen den nächsten Sonntag wieder, und noch gräßlichere Ungeheuer warteten auf ihre Küsse. Sie vollbrachten’s nochmals, und der Ohnmacht nahe traten sie den Rückweg an, “Pater Noster” murmelte da der fromme Kapuziner und brach das Schweigen. Und alles war verloren. Seit jener Zeit hat keiner mehr versucht, das Fräulein zu erlösen.